Dr. Norbert Nieszery/ Rudolf Borchert: SPD-Fraktion lehnt Erschließung unkonventioneller Vorkommen von Erdgas und Erdöl durch „Hydraulic Fracturing“ ab

Der Landtag debattiert am heutigen Freitag über ein Verbot für Fracking in Mecklenburg-Vorpommern. Hierzu erklären der Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Dr. Norbert Nieszery und der energiepolitische Sprecher, Rudolf Borchert:

Dr. Norbert Nieszery: „Die SPD-Landtagsfraktion lehnt Fracking zur Erschließung unkonventioneller Vorkommen von Erdgas und Erdöl in Mecklenburg-Vorpommern kategorisch ab. Fracking ist keine Zukunftstechnologie von morgen, sondern eine mit großen Gefahren verbundene Form der Energiegewinnung von gestern. Gefrackte Gebiete sind in der Regel auch nicht mehr nutzbar für Geothermie und Energiespeicher, die für eine erfolgreiche Energiewende in Mecklenburg-Vorpommern unentbehrlich sind.

Leider kann sich unser Koalitionspartner dieser Position derzeit nicht anschließen, so dass eine entsprechende Initiative der SPD-Fraktion den Landtag nicht erreicht hat. Unser Ziel bleibt es jedoch, jedwede Anwendung der Fracking-Technologie zur Gewinnung von unkonventionellen Erdgas- und Erdölvorkommen in unserem Land zu verbieten. Wir setzen dabei auch auf einen Umdenkungsprozess unseres Koalitionspartners. Vorbild dafür könnte die CDU-/ CSU-Bundestagsfraktion sein. Dort fordert eine Gruppe von rund 80 Abgeordneten mit dem Fraktionsvorsitzenden Volker Kauder an der Spitze ein Verbot des Einbringens von giftigen, wassergefährdenden Stoffen in die Erde und damit das Zurückziehen des umstrittenen Fracking-Gesetzes der Bundesregierung.“

Rudolf Borchert: „Mecklenburg-Vorpommern ist das Land der Erneuerbaren Energien. Wir wollen mit aller Kraft die Energiewende schaffen. Wind, Biomasse und Sonne sind die Energieformen der Zukunft. Deshalb wollen wir die schnellstmögliche Umstellung von konventionellen Energieträgern auf erneuerbare Energiequellen und keine künstliche Verlängerung der Förderung von Erdöl- und Erdgasvorkommen zu Lasten der Umwelt.

Mecklenburg-Vorpommern ist Gesundheits- und Tourismusland. Das ist mit Fracking nicht zu verbinden. Wir wollen keine Gefährdung des Grundwassers durch giftige Substanzen und keine Bohrtürme vor der Ostseeküste. Denn ausgerechnet im Bereich unserer touristischen Zentren an den Küsten sind potenziell Schiefergas führende Gesteine im Untergrund Mecklenburg-Vorpommerns vorhanden.“

Hintergrund:

Fracking ist eine umstrittene Fördermethode, die insbesondere bei der Erdgasförderung aus sogenannten unkonventionellen Lagerstätten angewandt wird. Bei diesem „Hydraulic Fracking“ wird Wasser mit einem Sand- und Chemiegemisch in besonders tief gelegene Gesteinsschichten gepresst, wodurch diese aufgesprengt und das Gas frei gesetzt wird. Der zur Förderung des Erdgases eingesetzte Chemie-Cocktail, ausgetretenes Erdgas, aber auch Methan können für die Umwelt eine große Belastung darstellen. Hierbei ist die Gefahr groß, dass die giftigen Substanzen ins Grundwasser gelangen und dieses verunreinigen. Außerdem treten Erdbeben verstärkt in Gebieten auf, in denen Fracking angewendet wird. Zudem wird die Umwelt durch einen hohen Wasser- und Flächenbedarf bei den Frackingbohrungen belastet.